Das Schwellenland Kolumbien

Kolumbien gilt als Schwellenland. Ein Schwellenland weist ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum auf. Im Jahr 2012 wurde Medellín zur innovativsten Stadt der Welt gekürt – noch vor New York und Tel Aviv. Einige Kirchen haben Projekte in Armenvierteln und es gibt gemeinnützige Organisationen, die sich für Arme, Benachteiligte und insbesondere Kinder einsetzen. Doch wir wollen mehr: Die gesellschaftlichen Strukturen des Schwellenlands Kolumbien nachhaltig positiv prägen und damit einer jungen Generation eine neue Perspektive geben.

 

Wie für ein Schwellenland üblich, ist der Unterschied zwischen Arm und Reich sehr gross und die Mittelschicht klein. Für private Schulen bezahlt man sehr viel, was sich nur wenige leisten können. Die meisten besuchen die oft schlechteren staatlichen Schulen und Universitäten. Oft bleiben sie nach dem Abschluss arbeitslos. Oder sie müssen sich mit minderwertigen Jobs begnügen, bei denen sie nur den Minimallohn erhalten (ca. 300 Franken pro Monat). Mit diesem Lohn kann man als Einzelperson jedoch nur in einem der vielen Armenvierteln überleben, ohne Aufstiegsmöglichkeiten oder Perspektiven. Kein Wunder herrschen dort Drogen, Prostitution und Gewalt vor, während sich Banden prächtig entwickeln. Durch den Drogenhandel ist eine Kultur des «einfachen Geldverdienens» entstanden. Hinzu kommt der bewaffnete Bürgerkrieg, der die Gewalt noch mehr fördert.

 

Auch der «Machismo» ist ein grosses Problem. Viele Kinder wachsen ohne Vater auf. Vor allem die Mädchen bekommen keine Bestätigung als Frau und gelten als minderwertig. In der Teenagerphase suchen sie die fehlende männliche Bestätigung und Liebe bei den heranwachsenden Jungs. Viele werden bald schwanger. Ohnehin gibt es für viele junge Frauen keinen anderen Zukunftswunsch, als Mutter zu werden. In ihrer Enttäuschung wollen sie etwas «Eigenes» haben, das nur ihnen gehört und ihr Liebesloch stopfen soll. Viele Männer nehmen ihre Verantwortung als Väter nicht wahr und verschwinden bald einmal von der Bildfläche. Die Mütter sind gezwungen Geld zu verdienen und sind teilweise Tag und Nacht unterwegs.

 

Und so wächst eine neue Generation heran, die keinerlei Perspektiven für die Zukunft hat. Man nennt sie auch Vorstrassenkinder. Sie tummeln sich auf der Strasse und rutschen schon bald in die Prostitution oder in Banden ab. Diesen kaputten Lebensgemeinschaften wollen wir den Wert einer intakten Familie wieder vorleben. Damit die Zukunft Kolumbiens nachhaltig positiv beeinflusst wird.